Helden und seltsame Anwandlungen

Ich gebe ja zu das ich manchmal seltsame Anwandlungen habe. Zum Beispiel dann, wenn ich irgendwo in den Tiefen des Internets über einen Helden meiner Kindheit stolpere. In diesem Fall handelte es sich im Lex Barker.

Ok, an alle unter 40: Lex Barker ist Old Shatterhand. Lex Barker ist Kara Ben Nemsi. Lex Barker ist Tarzan. Na gut, er war Old Shatterhand, Kara Ben Nemsi und Tarzan, denn immerhin ist er 1973 gestorben.

Ändert aber alles nix. Heute bin ich im Internet über die beiden Filme „Der Schatz der Azteken“ und „Die Pyramide des Sonnengottes“ gestolpert, beide aus dem Jahr 1965.

So ganz nebenbei auch noch über Friedrich Wilhelm Murnaus Nosferatu (1922) und Robert Wienes „Das Cabinett des Dr.Cagliari“  von 1920. Im Gegensatz zu den beiden erst genannten handelt es sich bei diesen beiden definitiv um Meilensteine der Filmgeschichte. Wenn man sich einfach mal ansieht was die Kamera-Leute damals mit Licht und Schatten hingezaubert haben. Davon können selbst die besten CGI-Artists heute nur träumen.

B-Movie at it’s best

Aber zurück zu den ersten beiden… ich formuliere es mal so: Heutzutage würde man sagen B-Movies. Die beiden Filme basieren auf dem Karl May Roman „Waldröschen“. Basieren wohlgemerkt. Denn es gibt diverse Anpassungen. Ist aber eh egal, denn eigentlich will ich auf was ganz Anderes hinaus. Mal abgesehen von den 6-Schüssigen Revolvern die aus irgendeinem Grund bis zu 30 Schüsse abgeben ohne dass man sie nachladen muss wären da auch noch solche Sachen wie: 2 Stunden durch die Wüste reiten und die Klamotten sehen aus als kämen sie gerade aus der Reinigung, die Frisur sitzt dank Drei-Wetter-Taft (obwohl das Zeug erst Ende der 80er auf den Markt kam) und die Maya/Azteken-Nachfahren sahen aus wie die Apachen in den Winnetou-Filmen. Lag wahrscheinlich daran das die Winnetou Filme in den drei Jahren davor gedreht worden waren und man den Fundus aus Kostengründen weiterverwendet hat. Irgendwie niedlich.

Apropos niedlich. Die weibliche Haupt-Protagonistin (eine Azteken-Prinzessin die am Ende stirbt) war auch niedlich. Doof, aber niedlich. Die männlichen Protagonisten hingegen waren damals wohl Grundsätzlich unsterblich (Ok, ok, abgesehen von Winnetou), die stürzen von Felsen, auf die wird geschossen, die bekommen Messer ab… nicht mal, wenn man mit der Peitsche auf die einprügelt bekommen die eine Schramme ab. Aber meine absoluten Lieblingsszenen, wenn ich von meiner heutigen Ansicht ausgehe, sind auf jeden Fall die Sterbe-Szenen. Und dabei rede ich nicht mal von Leichen die tief Luft holen oder sich bequemer hinlegen. Sondern von dem Moment wo sie getroffen werden.

Kopfschuss! Blut? Fehlanzeige. Aber ein theatralischer Griff an die Wunde ist immer noch möglich, ehe sie leidend dahinsinken. Echt jetzt? Um es mal richtig Brutal auszudrücken. Bei einem Kopfschuss wird das Gehirn paralysiert und 99% aller Körperfunktionen sind deaktiviert. Das einzige was man dann noch macht ist umfallen. Plumps, voll auf die Fresse.

Ganz zu schweigen vom inneren der Azteken-Pyramiden (was eh Blödsinn ist, denn die Azteken-Kultur existierte nur bis ins frühe 16. Jahrhundert, Maya-Pyramide wäre also wesentlich logischer), da sah es nämlich aus als ob in regelmäßigen Abständen eine Putzkolonne ihre Aufwartung macht. Auf die Tatsache das die Oper-Altare sich, laut der Filme, im Keller, und nicht auf der Spitze der Pyramide befinden gehe ich jetzt gar nicht ein.

Kultige Helden!

Wenn ich mir das was ich gerade geschrieben habe noch mal durchlese könnte ich glatt auf die Idee kommen das es sich um zwei Sch*iß-Filme handelt. Irgendwie ist dem auch so. Aber auf der anderen Seite ist das völlig egal. Denn egal wie schlecht diese Filme auch, aus heutiger Sicht sein mögen, das ändert alles nichts daran das sie genauso kultig sind wie „Catweazle“, „Raumschiff Enterprise“ oder „Time Tunnel“. Genau so genial (auf ihre eigene verschrobene Art) wie „Kobra übernehmen Sie“ oder „Die Leute von der Shiloh-Ranch“.

Und wenn jetzt einer von euch denkt: „Scheiße, muss der Alt sein“, dann hat er Recht. Und genau deshalb, weil ich mit diesem Zeug aufgewachsen bin darf ich die auch heute noch gut finden.

Zumindest meiner subjektiven Meinung nach…

In diesem Sinne!

Dieter