Endlich normale Leute…

Ballermann?

So begab es sich im April Anno 2019 dass meine Süße zu mir sagte (sie saß gerade vor Ihrem Notebook): Guck mal, das ist ein ganz tolles Hotel. Mit diesem Satz brachte sie eine Kette von Ereignissen in die Gang die dazu führten das ich am 14.September 2019 auf dem Flughafen von Palma de Mallorca ein Ryanair Flugzeug verließ und kurz davorstand Ballermann 6 zu besuchen.

Ich! Falls sich jemand erinnert, ich bin Hard-Rock und Metal-Fan. Wenn ich Schlager höre rollen sich meine Fußnägel auf und ich ziehe ein gutes Reissdorf jederzeit einer Sangria aus einem Eimer vor.

Aber wie schon vor vielen Jahren (jetzt fange ich schon an Schlager zu zitieren) Juliane Werding sang „Wenn Du denkst, Du denkst…“

Wie alles begann…

Schmackhaft gemacht hatte meine Süße mir das Ganze mit dem Satz: Wenn wir da sind, dann sind auf Malle die „Kölner Wochen“. Klar, wenn ich irgendwo im Ausland auftauche, habe ich Köln sowieso dabei. Aber das meinte sie gar nicht. Aus irgendwelchen Gründen hört man dann massig Kölsche Tön. Sowohl von den anwesenden, als auch aus den Music-Boxen. Klingt schon mal gut. Der zusätzliche Hinweis das es da auch diverse Kneipen gibt die Kölsch ausschenken brachte mich, dann an den Punkt das ich zustimmte… Was tut man nicht alles aus Liebe.

So stand ich also am Flughafen in Palma, hatte dank der Sitze von Ryanair Rückenschmerzen und durfte natürlich mit dem Koffer meiner Süßen hantieren, gefühlt ungefähr viermal so groß wie meiner und mit genug Platz… Sagen wir mal so, wenn ich jemals auf eine sechsmonatige Arktis-Expedition gehe, dann bekomme ich in diesen Koffer alles hinein, was man da so braucht und Platz für ein Pittermännchen ist auch noch.

Raus aus dem Airport und erst mal eine rauchen. Während des ganzen Fluges hatte ich darauf gewartet, dass dieses blöde „Nicht Rauchen“-Symbol endlich ausgeht. Pustekuchen. Die Notfall-Infos, die in Icon-Form am Sitz angebracht waren (siehe Foto) machten die Sache auch nicht besser.

Füße hochlegen?

Nach dem Rauchen ab ins Taxi und zum Hotel. Immerhin war es schon nach 22 Uhr und in meinem Alter…. (erwähnte ich schon die Sache mit dem „Wenn Du denkst, Du denkst…“). Von wegen gemütlich im Hotel die Füße hochlegen und/oder an der Bar noch einen Absacker nehmen. Koffer auspacken, umziehen, ab auf die Piste.

Erster Eindruck

Wir schlenderten also an der Platja de Palma entlang. Auf der Suche nach einem gastlichen Wirtshaus in dem man uns Speiß und Trank kredenzen sollte. So nebenbei: Mein erster Eindruck war so gut wie nicht vorhanden, immerhin war es schon Dunkel. Letzteres bekamen wir schon bald. San Miguel, das wohl am meisten verbreitete und bekannteste spanische Bier ist kein Kölsch, ävver mer kann et drinke. Was allerdings nicht für die Sangria galt, die meiner Süßen kredenzt wurde. Die Kellnerin also zum Nachbesser aufgefordert und schon… Schmeckte das Zeug immer noch so schlecht wie vorher. Irgendwann meldete sich bei uns beiden einer der Apokalyptischen Reiter, im Allgemeinen als Hunger bezeichnet. Was nach einigen vergeblichen Versuchen (Wir schließen jetzt. Die Küche hat schon zu u.ä.) dazu führte das wir bei (Nein, das ist kein Witz) Burger King landeten. Und selbst von da mussten wir Burger und Pommes mit ins Hotel nehmen, weil „Wir schließen jetzt“. Irgendwann ging es dann auch in die Falle.

Die Überreste der Nacht. Ob Niedecken an sowas dachte als er das Buch „Für ’ne Moment“ nannte?

All inclusive

Irgendwann ging es dann auch in die Falle. Am nächsten Morgen dann erst mal das Frühstücks-Buffet massakrieren, immerhin hatten wir ja „All-Inclusive“. Danach dann erst mal ab an die Außen-Bar, bzw. den Pool. Und ab diesem Moment war mir mehr oder weniger egal wo ich war. Mit der Frau, mit der ich mein Leben verbringen will, einem guten Buch und (gab es erst ab 12 Uhr) einem kalten Bier einfach die Seele baumeln lassen. Hatte ich wirklich vor dieser Reise Vorbehalte gegen Mallorca gehabt…. Ähm, Moment, langsam. Noch habe ich nicht wirklich was von dem ganzen Ballermann 6, Bierkönig, Eimer-Saufen etc. mitbekommen. Also erst mal langsam und gucken was mich noch erwartet.

Endlich Kölsch!

Nach einem, mehr oder weniger vertrödelten Tag am/im Pool machten wir uns dann auf den Weg ins Abenteuer. Meine Süße steuerte als erstes Zielsicher das Dunas Blancas an. Ebenfalls ein Hotel, das sie allerdings aufgrund des Badewannen großen Pools ablehnte. Der Vorteil des Ladens? Die schenken Früh-Kölsch aus! Was mich dazu veranlasste umziehen zu wollen. Denn wer würde nicht ein Früh einem Cruzcampo (welches es an unserer Hotel-Bar gab) vorziehen? Leider fand mein Vorschlag kein Gehör. Danach dann lecker Paella essen gehen und den Abend einfach so verbummeln. Sich die Geschäfte ansehen, hier was trinken, da was trinken. Sich über nichts Gedanken machen. Gut, zwischendurch immer wieder den Helmut’s ausweichen „No, thanks.“ Die beiden von mir meistgenutzten Worte des Urlaubs. Falls jemand nicht wissen sollte, wer die Helmut’s sind. Es handelt sich um jede Menge Senegalesen, die von Sonnenbrillen über Handtasche bis hin zu fast echten Rolex-Uhren (Heute billig, Morgen teuer und mit 100 Jahren Garantie) allen möglichen Kram verkaufen den Strandverkäufer auf der ganzen Welt so anbieten. Der Spitzname Helmut’s kommt daher, dass diese Jungs jeden deutschen mit Helmut und jede deutsche mit Gisela ansprechen. Die Urlauber haben den Spieß irgendwann umgedreht.

Helmut ist ein Mensch

Interessant ist vielleicht: Immer wenn einer von den Jungs auftauchte, schien sich bei den (deutschen) Urlauber die Spreu vom Weizen zu trennen. Die einen antworteten auf die freundlichen und meist lustigen Verkaufssprüche mit Sätzen wie „Hau ab.“ „Verpiss Dich“ oder ähnlichem. Die anderen und das war auch das, was ich bevorzugte sagten „No, thanks.“ Oder „Not today.“ Was ist eigentlich so schwer daran auch in diesen Verkäufern einen Menschen zu sehen? Nachdem ich gehört hatte, dass die alle aus dem Senegal kommen habe ich mal einen der Burschen darauf angesprochen und mich für drei Sätze mit ihm unterhalten. Mag sein das ich mir das nur eingebildet habe, aber ich hatte das Gefühl, das er sich freute als Mensch und als Individuum wahrgenommen zu werden. Und mir hat das Ganze nicht weh getan.

Plastik-Becher

Wenn ich gerade dabei bin. An unserer Hotel-Bar wurden die Getränke in Einweg Plastikbechern ausgeschenkt. Kann ich ja nachvollziehen, Scherben rund um den Pool kann keiner gebrauchen. Es gab allerdings auch, für einen Euro einen wiederverwendbaren Becher. Wir haben uns, als wir die entdeckt hatten welche gekauft. Und blieben während der gesamten Woche die wir dort waren auch die einzigen die mit solchen Bechern am Pool saßen. Viele Leute hielten es nicht einmal für nötig ihre Einwegplastikbecher in den Müll zu schmeißen, was dazu führte das diese fröhlich vom Wind durch die Gegen geblasen wurden. An dieser Stelle auch gleich ein Lob ans Hotelpersonal, die eben diese Becher immer ruckzuck aufsammelten. So wie das gesamte Personal auch immer höflich, schnell und aufmerksam war. Und was die Becher angeht… ich gebe zu das ich nicht wirklich zu den Menschen gehöre die oft über ihre Umwelt nachdenken, aber eine solche Kleinigkeit wie dieser Becher….

Monika und die kleine Kneipe

Und so ging die Woche weiter. Gutes Essen, e lecker Bierche, im Mittelmeer planschen oder einfach durch die Gegend spazieren. Nicht immer nur an der Platja, sondern auch einmal durch die „Hinterhöfe“ die, obwohl viele Gebäude alt und vernachlässigt wirken, obwohl viele Geschäfte leer stehen einen ganz besonderen Charme haben. Mir ist in der gesamten Woche kein einziger Mensch begegnet der unhöflich oder gar bedrohlich war.  Eher war das Gegenteil der Fall.

Meine Süße hatte nämlich mit den Worten „Das habe ich da noch nie gebraucht.“ Ihr Asthma-Spray zuhause gelassen. Auch wieder so ein Fall von „Wenn Du denkst, Du denkst…“ denn während der gesamten Woche war das Wetter doch recht drückend und schwül, was dazu führte, dass sie arge Atem-Probleme hatten. Also machten wir uns, bevor wir uns mit Freunden treffen wollten, die auch für drei Tage vor Ort waren auf den Weg in die Apotheke. So begab es sich, aber das die guten Leute in der Apotheke keinerlei fremder Zungen mächtig waren. Soll heißen die sprachen weder deutsch noch englisch. Was dann zu wahrhaft babylonischen Zuständen führte. Als wir schon aufgeben wollten, hatte dann Monika Ihren Auftritt. Monika kommt aus dem Rheinland, lebt und arbeitet auf Mallorca und spricht Spanisch. Dank Ihrer Hilfe bekamen wir, dann endlich heraus das auch in Spanien ein solches Spray verschreibungspflichtig ist und dass meine Süße doch am nächsten Tag zum Arzt gehen sollte. Was uns nicht wirklich weiterhalf. Ganz im Gegensatz zu Monika. Denn die, so sagte sie, hatte hin und wieder das gleiche Problem und konnte mit besagtem Spray aushelfen. Wir spazierten also mit Ihr in Richtung Ihrer Wohnung bis zu einer kleinen spanischen Kneipe. Hierhin hatte sich wahrscheinlich seit dreißig Jahren kein Tourist verirrt. Noch ehe wir überhaupt bestellen konnten (Una cerveza por favor et uno vino blanco. Mal im Ernst, sowas bekomme ich in fast jeder Sprache dieser Welt hin.) stellte uns der Wirt ein Schälchen mit Serrano-Schinken und Oliven hin. Ok, hier gefällt es mir. Mal ganz davon abgesehen das im Fernsehen die Zusammenfassungen der Champions-League liefen.

Worum ging es nochmal?

Ach ja, Monika, die erschien nach ein paar Minuten mit besagtem Spray und meine Süße konnte endlich wieder durchatmen. Wir haben an diesem Abend die erwähnten Freunde nicht mehr getroffen, denn wir blieben, samt Monika in besagter Kneipe, bis der Wirt irgendwann keinen Bock mehr hatte und uns allesamt hinausfegte. Leider haben wir es nicht geschafft uns an den verbleibenden Tagen noch einmal mit Monika zu treffen. Solltest Du das hier je lesen Monika: Als ich an jenem Abend sagte, dass ich mich freue einen tollen Menschen kennengelernt zu haben, das war mein voller Ernst. Und ist es auch jetzt noch. Danke.

Diesen Abend ließen wir dann, fast schon Tradition, im Dunas Blancas ausklingen. Inzwischen voll belegt von einer Horde Kölner… Aus den Boxen dröhnte Brings Kölsche Jung, ich hatte ein Kölsch vor mir und meine Traumfrau an meiner Seite… Manchmal ist die Welt für ein paar Momente einfach perfekt.

Vorurteile

Was ich vielleicht noch erwähnen sollte. Natürlich bin mit gewissen Vorurteilen nach „Malle“ geflogen. Natürlich hatte ich vor vielen Jahren „Ballermann 6“ von Tom Gerhardt gesehen, wir erinnern uns „Endlich normale Leute“.  Selbstverständlich hatte ich Bilder von Eimer-Saufen, Schnaps-Leichen und Prügeleien im Hinterkopf. Bei aller Liebe lasse auch ich mich trotz hinterfragen von den Medien beeinflussen. Klar haben wir auch dort den einen oder anderen Vollpfosten gesehen. Aber die gibt es überall, selbst in meinem heißgeliebten Köln.

Im Gegensatz dazu habe ich aber etwas ganz Anderes gefunden. Menschen, jeden Alters, die eine Auszeit vom Alltag nehmen, die Spaß haben wollen, die Party machen wollen. Diese Partys gibt es dort für jeden Geschmack, laut und leise, mit Schlagern oder Karnevals-Musik, sogar einen Heavy-Metal-Pub habe ich dort entdeckt. Es gibt ganz tolle Restaurants und Bars/Kneipen. Und vor allem Erholung, wie ich weiter oben schon schrieb: Einfach mal die Seele baumeln lassen.

Ok, am letzten Tag waren wir dann auch noch im Bierkönig und haben Wodka-Lemon aus dem Literkrug getrunken, meiner Ansicht nach hat der Wodka da mal neben gestanden, denn allzu viel davon war nicht im Getränk. Das gute war, gleich vorm Bierkönig verkaufte einer der Helmut’s fast echte Trikots von europäischen Spitzenclubs. Bei dem habe ich dann für 20 € ein „fast“ echtes Salah-Trikot vom FC Liverpool gekauft.

Meiner subjektiven Meinung nach ist Mallorca auf jeden Fall eine Reise wert. Denn trotz aller Ressentiments die man haben mag, muss man an der Platja nur fünf Minuten weiter spazieren, um sich wie in einer anderen Welt zu fühlen. Meine Süße hat irgendwann in dieser Woche zu mir gesagt: „Ich muss nicht wie verrückt Party machen. Es reicht mir zu wissen, dass ich es machen könnte.“

Dem habe ich nichts hinzuzufügen.

In diesem Sinne…

Dieter

 PS: Das einzige, was ich in dieser Woche wirklich hassen, gelernt habe war die Gemeine Stechfliege. Davon gab es rund um den Pool nämlich einige. Zunächst dachte ich ja meine Freunde, die Mücken hätten es wieder auf mich abgesehen… (Wenn Du denkst, Du denkst…) die waren es aber gar nicht. Meine Waden und Knöchel sahen aus, als hätte ich einen Unfall mit einer Nähmaschine gehabt. Wohingegen meine Süße nicht einen einzigen verdammten Stich hatte… Ok, ich gönne es Ihr ja das sie verschont blieb, aber mussten die sich wirklich ALLE auf mich stürzen?