Brief an George Orwell

Wer kennt nicht George Orwell und seine genialen Stories wie „Die Farm der Tiere“ oder „1984“ ?

Zumindest hat man schon einmal von ihm gehört, wenn ich auch der Meinung bin das es sich um eine ernsthafte Bildungslücke handelt wenn man die beiden oben genannten nicht gelesen hat.

Auch wenn eben dieses lesen bei mir schon einige Jahre zurück liegt gibt es doch Dinge die sich in mein Gehirn gebrannt haben. Dieser Tage kam mir der Gedanke: Was würde George Orwell wohl denken wenn noch lebte ? Vom Gedanken zur Tat ist es manchmal nicht weit, also haben ich beschlossen meinem Freund George einen Brief zu schreiben. Er lebt nicht mehr, er muss also zum Glück nicht mehr erleben in wie vielen Dingen er Recht behalten hat. Auch wird er diesen Brief nie lesen (aber man weiß ja nie :-)).

Statt seiner wäre es schön wenn Ihr diesen Brief lesen würdet. Noch schöner wäre es wenn ihr diesen Brief lest und dann einmal darüber nachdenkt. Denn wir sind nicht mehr sehr weit entfernt von George Orwells Dystopie, zumindest meiner subjektiven Meinung nach.


 

Lieber George,

es ist lange her, dass ich Dir geschrieben habe. Das letzte mal, so glaube ich, im Jahr 1990, nach dem Fall der Mauer und der Wiedervereinigung der beiden Teile Deutschlands. Seit dem hat sich viel verändert, eben jenes ist auch der Grund, warum ich mich aufraffe Dir diesen Brief zu schreiben.

Doch zunächst lass mich Abbitte leisten. Es ist genau das eingetreten, was ich nicht wahrhaben wollte, Du aber schon 1949 vorausgesagt hast. Es ist immer schlimmer geworden. 1990 war ich mir sicher, dass es nie wieder einen solchen Überwachungsstaat wie die DDR geben würde. Wie ich mich doch getäuscht habe.

Manchmal fühle ich mich heute wie Winston Smith, so ich auch nicht für ein „Ministerium für Wahrheit“ arbeite und die Geschichte anpassen muss.  Auch müssen wir noch nicht unsere Meinung geheim halten, wenn ich auch manchmal glaube, dass eben dieses besser wäre, wenn wir nicht riskieren wollen in der Zukunft für eben diese Meinung bestraft zu werden.

Meine Technik versuche ich mit Verschlüsselung, Firewalls und diversen weiteren Schutzmechanismen gegen die Teleschirm-Technik zu schützen. Ob es wirklich etwas bringt entzieht sich bis heute meiner Kenntnis. Aber wir kennen ja nur zu gut die Partei-Maxime „Unwissenheit ist Stärke“.

Wirkliche Informationen sind für einen Proles wie mich, die noch nicht einmal der „Äußeren Partei“ angehören sowieso nicht zu bekommen. Solltest Du Dich wundern, dass ich von einer „Äußeren Partei“ spreche: Offiziell gibt es sie noch nicht, zumindest wird sie nicht als solche bezeichnet. Ein treffender Vergleich wäre wohl, dass unsere sogenannten Volksparteien die „Äußere Partei“ darstellen, der Bundestag die „Innere Partei“. Allerdings haben wir dazu auch noch das Kabinett, eine Art innerer Elite, die, obwohl sie es nie zugeben würden, eindeutig unter dem Kommando einer fremden Macht stehen.

Dies alles wird von den Medien tunlichst ignoriert. Im Gegenteil, versuchen sie uns doch ebenso zu indoktrinieren wie das alte „Ministerium für Wahrheit“. Gibt es doch einmal Menschen die es wagen die Dinge beim Namen zu nennen oder sie, welch grauenhafte Tat, öffentlich machen, so werden sie verfolgt und, so man ihrer habhaft werden kann, inhaftiert.

Die offiziellen Medien geben nur das wieder, was ihnen gestattet wird. Sie alle schüren den Hass auf Andere, diese Anderen heißen heute nicht mehr Eurasier, Ozeanier oder Ostasiaten, sondern Flüchtlinge, Ausländer oder Hartz IV-Empfänger.

Lernen, verstehen und akzeptieren. Sie gehen es heute viel subtiler an als zu Deiner Zeit. Oh, denke nicht das die Elektroschocks und Medikamente heute nicht mehr zu Einsatz kämen, die gibt es immer noch. Aber viel öfter sind es die Schlagzeilen der Zeitungen, die sogenannten „Nachrichten-Magazine“ und das weltweite Computer-System die versuchen uns auf unterschwelligem Wege die „wahre“ Welt zu zeigen. Wie ich bereits schrieb, kann ich nur zum wiederholten Male Abbitte leisten, denn selbst Deine schlimmsten Ängste wurden übertroffen.

Großmächte führen Angriffs-Kriege und nennen es: „Wir bringen diesem Land die Demokratie.“. In meinen Ohren klingt das nicht anders als „Krieg ist Frieden“.

Aber nicht nur das wurde wahr, mein lieber Freund. Millionen von Arbeitslosen werden in sogenannte Zeitarbeits-Verhältnisse gezwungen. Leiharbeit nennen es die Politik und die Wirtschaft. Wir sind uns wohl einig das „Freiheit ist Sklaverei“ die passendere Bezeichnung wäre.

O’Brien sagte einst „Wenn Sie sich ein Bild von der Zukunft ausmalen wollen, dann stellen Sie sich einen Stiefel vor, der in ein Menschenantlitz tritt – immer und immer wieder.“ Eben jener Stiefel trifft uns auch heute noch täglich, sei es durch Gesetze, schlimmer noch durch deren Auslegung oder neue Regelungen. Wir alle sind gläsern geworden, sei es für die Herrschenden, sei es für die Wirtschaft.

Sukzessive werden die Zügel angezogen. Ein Premierminister der Kommunikationswege verbieten will, die sich nicht kontrollieren lassen. Staatsanwälte die Journalisten anklagen, aber im Gegenzug ignorieren, dass Fremde-Mächte uns überwachen und steuern. Politiker, die vor laufenden Mikrofonen erklären das „zu viel Demokratie nicht gut für das Volk ist“.

Lass mich für heute schließen, mein lieber Freund, genug der Schrecken habe ich Dir heute geschildert. Noch unterliege ich nicht der Gedankenkontrolle, so ich doch davon überzeugt bin, dass es nicht mehr lange dauern wird bis eine Gedankenpolizei ihre Arbeit aufnimmt.

Zu guter Letzt bitte ich Dich noch unserem guten Freund Aldous, bei dem ich mich auch noch entschuldigen muss, meine besten Wünsche auszurichten. Denn auch er hat es vorausgesehen, wenn ich auch zugeben muss, dass meine Hoffnung dahin ging, dass sich seine Island-Utopie verwirklichen ließe.

So verbleibe ich, der Dinge harrend die unausweichlich auf uns zukommen.

Dein Freund

Dieter