Rollenspiele im Supermarkt

Rollenspiele

Na liebe Leser, wer von euch hat denn am Computer schon mal ein Rollenspiel gespielt? World of Warcraft oder Runes of Magic? Die wenigsten vermute ich mal. Macht aber nichts, ist schnell erklär

Man erstellt sich einen Charakter, der zu Beginn so gut wie nichts kann. Dann erfüllt man Questen und erhält dafür Erfahrung, Ausrüstungsgegenstände oder einfach Gold. Im Laufe der Zeit und nach viel Blut und Tränen hat dann man einen Charakter, der es locker mit Conan oder Gandalf aufnehmen könnte. Bis dahin ist es aber wie gesagt ein sehr, sehr weiter Weg.

Beispiel gefällig ?

Um mal ein Beispiel für eine solche Quest zu geben: Man marschiert mit seinem frisch gebackenen Charakter, in meinem Fall ein Magier zum nächsten Questgeber. Der meint dann: „Lieber Magier, wir brauen gerade einen Wahnsinnszaubertrank, der macht Dich wenn er fertig ist nicht nur schneller, stärker und schöner. Nein, der heilt auch Spliss, Akne und Hämorriden. Leider fehlen uns dafür noch ein paar Grüne Rosen aus dem Was-weiß-ich-wo-das-ist-Tal.“ Mein kleiner Magier reibt sich die Hände und denkt: Ist ja easy, so ein paar Blumen pflücken und dem Kerl bringen, im Tausch gegen einen solchen Zaubertrank. Denn man los, ne.

Was der gute Mann nur leider vergessen hat zu erwähnen ist: Dieses Was-weiß-ich-wo-das-ist-Tal liegt gleich hinter der Ork-Armee die sich gerade zum Angriff rüstet und auf der einzigen Wiese im Tal wo diese dämlichen Grünen Rosen wachsen hält gerade die Gewerkschaft Tollwütiger Wölfe ihre Jahreshauptversammlung ab. Sowas findet man aber meistens erst heraus, wenn man schon mittendrin steht. Aber was bleibt uns anderes übrig. Genau um sowas geht’s ja bei diesem Spiel. Also prügeln wir uns frohen Mutes durch die Ork-Horden, werfen ab und zu einen Trank ein der uns heilt und stehen irgendwann vor besagter Wiese. Bereits kurz nachdem wir uns mit Hängen und Würgen, sowie unter Einsatz weiterer Heil-Tränke durch mehrere Tollwütige Wolfsrudel geschlagen haben dürfen wir auch schon die Blumen unser Eigen nennen. Nicht mehr ganz so frohen Mutes kloppen wir uns ein zweites Mal durch die Ork-Armee, die leider immer noch im Weg rumsteht, langsam wird’s auch eng mit den Heiltränken (Notiz an mich selber: Nächstes Mal mehr Heiltränke mitnehmen!) und kommen irgendwann wieder beim Questgeber an. Der gute Mann ist auch total happy, dass wir ihm ein paar Blümchen mitbringen, ich bin total happy, dass ich jetzt den Wahnsinns-Zaubertrank bekomme. Und was passiert? Nix Zaubertrank, nur fünf Goldstücke gibt’s als Belohnung. Aber immerhin eine neue Quest, denn inzwischen ist aufgefallen, dass sie für diesen Irren Zaubertrank auch noch Blaue Rosen brauchen. Klar, kein Problem, gehe ich auch noch holen. Wo find ich die denn? „Och,“ sagt der Questgeber, „das ist kein Problem. Wenn Du gleich hinter der Ork-Armee nach links statt nach rechts abbiegst, findest Du noch eine andere Wiese, da wachsen die. Auf dieser Wiese gibt’s auch keine tollwütigen Wölfe, die sind nämlich schon alle von der Blutrünstigen Grizzly-Bären gefressen worden. Einmal dürft ihr raten was ich gemacht habe…..

Supermarkt ?

Falls sich gerade einer fragt, was das Ganze mit einem Supermarkt zu hat?! Das ist auch schnell erklärt. Meiner einer geht ja des Öfteren mit der besten Ehefrau von allen einkaufen. Wir kommen dann in den Supermarkt unseres Vertrauens und gehen gleich hinter dem Eingang am Kaffee vorbei, dann am Brot, dann an der Milch…. und so weiter und so fort. Irgendwann sind wir dann an einem ganz anderen Ende des Supermarkts, dann fällt der besten Ehefrau von allen ein: „Oh, wir brauchen auch noch Kaffee, kannst Du eben welchen holen gehen?“. Auch wenn der Satz mit einem Fragezeichen endet heißt das nicht, dass ich eine Wahl hätte. Und da haben wir auch schon die erste Parallele zum Rollenspiel. Die zweite folgt sogleich, denn die beste Ehefrau von allen hat vergessen zu erwähnen, dass ich mich um den Kaffee zu holen durch eine Rentner-Armee kämpfen muss. Entweder gibt’s gerade Corega-Tabs im Angebot oder Morgen ist ein Feiertag und das sind nur die üblichen Hamsterkäufe der Rentner, denn bekanntlich wird ja nach Feiertagen der Lebensmittelverkauf für vier Wochen ausgesetzt. Vor dem Kaffee-Regal stehen dann zwei tollwütige Hausfrauen die das gesamte Regal durch den geschickten Einsatz ihrer Einkaufswagen und ihrer Körper komplett blockieren. Aber als alter Rollenspieler weiß ich ja wie man in so einem Fall vorgehen muss. Einfach nur „Mein Gott, die verschenken da hinten Handtaschen und Lippenstifte“ vor mich hingemurmelt und wie von Geisterhand verschwinden die beiden. Das Kaffee-Regal ist frei. Ein Paket Kaffee gegriffen und wieder zurück zur besten Ehefrau von allen. Die Rentner sind auf dem Rückweg auch kein Problem mehr. Zwei, drei Bodychecks später (sollte einer der älteren Herrschaften hier mitlesen: Tut mir wirklich leid, ich konnte ja nicht ahnen das der Brötchenback-Automat noch an ist) bin ich auch schon wieder neben dem Einkaufswagen der besten Ehefrau von allen angekommen. Glaub ich zumindest, denn so voll wie der ist könnte das auch die Nachschublieferung sein, die die 6.Armee damals vor Stalingrad nie bekommen hat.

Freudestrahlend zeige ich der besten Ehefrau von allen den Kaffee und bekomme dann zu hören; „Das ist lieb Schatz, würdest Du bitte auch noch ein Toast-Brot holen gehen?“

Auf die Sache mit dem Fragezeichen hatte ich ja bereits hingewiesen. Ebenso wie auf die Tatsache, dass sich Toastbrot in etwa da befindet wo auch der Kaffee ist.

Aber was soll es. Drachen gibt’s in unserer Welt keine mehr zu erschlagen. Wikingerüberfälle kommen inzwischen auch eher selten vor. Also muss ich mir meinen Adrenalin-Kick inmitten von Ork-Horden…. Ähm… Rentner-Horden holen.

Apropos Rentner. Es ist auch immer wieder eine Herausforderung das Leergut in den Automaten zu werfen. Also um Genau zu sein ist es gar nicht das reinwerfen des Leergutes, sondern mehr die Zeit die man warten muss ehe es dazu kommt. Wenn man vor sich einen Rentner hat der jede Flasche zuerst mit dem Hals in die Öffnung schiebt, obwohl ein Schild mit ca. 50 cm hohen Buchstaben darauf hinweist: „Flaschenboden zuerst“.

Politisch korrekt ? Ne, aber lustig!

Ok, ich gebe zu, der letzte Absatz war jetzt ein wenig diskriminierend gegenüber Rentnern. Denn es gibt auch viel jüngere Mitmenschen die es nicht wirklich Fehlerfrei schaffen diese hochkomplizierte Maschine namens „Leergut-Automat“ zu bedienen. Als Beispiel sei der Junge muskulöse Mann genannt, der während er in der Linken lässig die vier leeren Kisten Öttinger-Bräu sowie sein Smartphone jongliert, es mit der Rechten immer wieder schafft die fünfte Kiste falschrum in den Automaten zu schieben. Oder Chantal, (ich weiß nicht ob sie wirklich so heißt, aber ihren Intellekt kann man wohl auf Chantals Höhe einordnen) Alter ca. 17, ein Kind im Kinderwagen, eins an der Hand und eins im Bauch. Das kleine im Kinderwagen spielt seelig mit einer leeren Kleiner Feigling Flasche. Das an der Hand stapelt gerade das Margarine-Regal um… und zwar auf den Boden. Chantal erklärt gerade ihrem Freund am Iphone 8 (man gönnt sich ja sonst nichts) das er sich selber ficken soll und versucht gleichzeitig Flaschen mit der Aufschrift „Keine Pfandflasche“ im Automaten los zu werden.

Worauf wollte ich eigentlich hinaus? Ach ja, irgendwann kam ich mit dem Toastbrot wieder bei der besten Ehefrau von allen an. Der Einkaufwagen deutet inzwischen daraufhin, dass wir nach diesem Einkauf genug Lebensmittel für die nächsten sechs Jahre gebunkert haben.

Meine Abschlussquest für diesen Tag war dann die Einkäufe zunächst ins Auto und dann von da aus in die Wohnung zu schaffen. Alles kein Problem! Und sobald der Bruch, den ich mir dabei gehoben habe, verheilt ist werde ich auch wieder mit der besten Ehefrau von allen einkaufen gehen.

In diesem Sinne…..

 

 

Schreibe einen Kommentar